Akademienförderung
Das Projekt „Regesta imperii“ dokumentiert die Taten der Kaiser und Päpste von 800 bis ins frühe 16. Jahrhundert sowie deren Umfeld.
Im Jahr 800 wurde mit Karl dem Großen einer der wichtigsten Herrscher des Mittelalters zum Kaiser gekrönt. Seine Taten und die der folgenden Herrscher bis in das frühe 16. Jahrhundert nimmt das Projekt „Regesta imperii“ in den Blick. Forschende in elf Teilprojekten an sieben Standorten in Deutschland, darunter an der Ruhr-Universität Bochum, dokumentieren die Taten der Kaiser und ihres Umfelds. Sie sammeln alle Quellen, die über das Wirken der Herrscher Auskunft geben, ordnen die Informationen in chronologischer Reihenfolge und halten fest, wie die Forschung sich damit auseinandergesetzt hat. Neben den weltlichen Herrschern von den Karolingern bis zu Maximilian I. sind auch die Päpste des frühen und hohen Mittelalters Teil der Sammlung.
Dafür nutzt man eine im 19. Jahrhundert etablierte Form: die Regesten, also eine Kurzfassung von Quellen, die die Taten der Herrscher beschreibt und alle dabei zusammen erwähnten Personen und Orte beinhaltet.
Dieses alte Verfahren hat im Zeitalter des digitalen Zugriffs eine neue Wirksamkeit entwickelt. Regesten sind mittlerweile Forschungsdaten, die einen unmittelbaren Zugriff auf die Quellen und die verfügbaren wissenschaftlichen Publikationen ermöglichen. Damit stellen die Regesta Imperii ein einzigartiges Recherche-Werkzeug für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit bereit. Hinzu kommt, dass die bislang verwendeten über drei Millionen Titel Fachliteratur in einem digitalen Bibliothekskatalog verzeichnet wurden, der wiederum mit dem Karlsruher virtuellen Katalog vernetzt ist, über den die Standorte von Büchern in deutschen Bibliotheken ermittelt werden können – der größte Mittelalter-OPAC weltweit, der als internationaler Standard gilt.
In der aktuellen Förderperiode treibt das Projektteam neben Neuauswertungen die Digitalisierung der bislang zusammengetragenen Informationen voran. Bereits seit den 1990er-Jahren werden die Arbeiten im Akademienprogramm gefördert. Zuletzt 2015 erfolgte eine Verlängerung der Förderung um 18 Jahre mit einem Fördervolumen von insgesamt rund 20 Millionen Euro. Das Projekt ist eingebettet in die Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz, die Akademienunion sowie in den internationalen Akademien-Verbund Union Académique Internationale. Die Koordination liegt in Mainz.