SFB/TR 427
Der Transregio-SFB untersucht antike, mittelalterliche und frühneuzeitliche Erzählungen aus verschiedenen kulturellen Kontexten.
Menschen haben schon immer Geschichten erzählt. Über alle Epochen und Kulturen hinweg spielten Erzählungen eine wichtige Rolle für den sozialen Zusammenhalt. Der Transregio-SFB „Historical and Transcultural Narratology“ (Historische und transkulturelle Erzählforschung), der 2026 startet, untersucht vormoderne, also antike, mittelalterliche und frühneuzeitliche Erzählungen aus verschiedenen kulturellen Kontexten. Der Sonderforschungsbereich möchte eine neue historisch-transkulturelle Erzähltheorie entwickeln, die die Voreingenommenheit aktueller Narratologien und deren engen Fokus auf westliche und moderne beziehungsweise postmoderne Traditionen überwindet. Die Erzähltheorie soll unterschiedliche historische Erzählformate und -funktionen aus ganz verschiedenen kulturellen Kontexten erfassen und neue Wege für eine vergleichende, interdisziplinäre Literatur- und Kulturwissenschaften auf globaler Ebene eröffnen.
Die Forschenden kommen aus 16 verschiedenen Disziplinen, darunter Ägyptologie, Koreanistik, Theologie, Gräzistik und Slavistik. Ihre Fragen sind: Wie haben Menschen in vergangenen Kulturen erzählt? In welchen Kontexten, zu welchen Zwecken? Wie sahen ihre Geschichten aus? Die erwarteten Forschungsergebnisse sollen sowohl einen umfassenden historischen und transkulturellen Vergleich des Erzählens in globaler Perspektive ermöglichen als auch einen grundlegend neuen Blick auf die Genese, Variabilität und Funktionen von Erzählformen bieten.
Die Forschenden des Verbunds der Universitäten Freiburg (Sprecherin: Prof. Dr. Eva von Contzen), Bochum und Bonn wollen zugleich die Möglichkeiten der Digital Humanities erproben und weiterentwickeln, um die vergleichende Erzählforschung stärker digital zu verankern. Dafür werden sie eng mit dem „Digital Humanities Lab“ an der Philologischen Fakultät der Universität Freiburg sowie dem Bonner „Center for Digital Humanities“ zusammenarbeiten.